Veilchen sind blau,

Rosen sind rot,

das sind nur zwei Farben,

mehr täten Not.

Gras ist grün,

Bäume sind braun,

schon sind es vier Farben,

die wir hier nun schau‘n.

Margeriten sind gelb,

Rosen gern rosa,

ich zähle nun sechs,

dank erbärmlicher Prosa.

Hibiskus blüht malve,

der Krokus violett,

schon sind es acht,

so langsam wird‘s nett.

Flieder blüht flieder,

das Schneeglöckchen weiß,

schon sind es zehn,

genug mit dem Scheiss.

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Hausordnung

29. Oktober, 7.15 Uhr

Herbert Kratzke legte die Tageszeitung beiseite, trank den letzten Schluck Nescafé (exakt zwei Tassen, schwarz, wie jeden Morgen), lehnte sich in seinem Küchenstuhl zurück und atmete tief aus. „Ende der Sommerzeit, bald ist es wieder soweit“, dachte er bei sich.

Er erhob sich leise ächzend, trug das Geschirr zur Spüle, und während er es sofort abwusch, so wie nach jeder Mahlzeit, hing er seinen Gedanken nach.

Seit 30 Jahren, seit seiner Scheidung, lebte er in der kleinen 32 Quadratmeter großen Parterrewohnung. Die Miete war günstig, genau richtig für sein bescheidenes Frührentner-Budget. Lediglich zum Schneeräumen während der Wintermonate hatte er sich verpflichten müssen. Herr Kratzke hatte immer gerne Schnee geschaufelt. Eine einfache, anspruchslose Tätigkeit, die dennoch der Hausgemeinschaft einen wichtigen Dienst erwies. Und wenn die junge, alleinerziehende aus dem dritten Stock derweil das Haus verließ und ihn anlächelte, war seine Welt in Ordnung. Leider war er nicht jünger und sein Gesundheitszustand nicht besser geworden, und er fürchtete sich ein bisschen vor dem kommenden Winter und dem, was sein Rheuma dazu sagen würde wenn er den Kampf gegen die weißen Massen aufnehmen würde.

Er richtete sich auf, straffte die schmal gewordenen Schultern und streckte sein Kinn hervor – nur ganz kurz, denn ein stechender Schmerz durchfuhr sofort seinen Hals.

Komm nur, Winter“, dachte er, „Komm nur. Herbert Kratzke wird bereit für Dich sein“.

15. November, 7.15 Uhr

Stirnrunzelnd legte Kratzke die Zeitung beiseite und nahm die Lesebrille ab. Er griff nach seiner Tasse, bemerkte, dass sie leer war und schob sie von sich. Einen Augenblick erwog er sich eine dritte Tasse Nescafé zu kochen, ehe er diesen für ihn geradezu dekadenten Gedankengang verwarf. Sein Blick wanderte zu der Schneeschaufel, die an der Küchenwand links von der Tür lehnte. Der hölzerne Stiel war frisch gewachst, die Kante geschärft um auch das letzte bisschen Eis vom Gehsteig kratzen zu können, und das polierte Blatt glänzte im Licht der Wintersonne. „Augsburg, München, Erdingen. Überall hat es schon geschneit. Es kommt näher.“ War da eine blinde Stelle auf dem Blatt der Schneeschaufel? Seufzend holte Herbert sein Polierzeug unter der Spüle hervor und machte sich an die Arbeit.

18. November, 7.15 Uhr

Passau, die nächste größere Stadt. 10 Zentimeter über Nacht. Morgen würde es soweit sein. Im Geiste ging Herbert Kratzke seinen Plan noch einmal durch. Als er keine Schwachstelle fand. lächelte er zufrieden.

19. November, 2.38 Uhr

Streusalz! War es genug? Würde es reichen?“. Er war hochgeschreckt. An Schlaf war nicht mehr zu denken! Kratzke stand auf, zog sich seinen Bademantel und die Pantoffeln an ehe er leise die Wohnung verließ und sich in den Keller schlich. Erleichtert atmete er auf, als er drei große Säcke im Schein der einsamen Glühbirne ausmachen konnte. Zufrieden ging er zurück in die Wohnung und legte sich wieder in sein Bett.

19. November, 7.15 Uhr

Missmutig blinzelte er im Licht der Morgensonne. Keine einzige Schneeflocke. Wie konnte das sein? Er hatte doch an alles gedacht. „Gegen die Götter kämpft der Mensch vergebens.“, dachte er.

Morgen wäre es bestimmt so weit.

20. November, 6.20 Uhr

Was für ein beschissener Kaffee! Die Morgenzeitung flog in die Ecke. Kein Schnee. Nutzloser Kratzke. Die anderen im Haus verließen sich auf ihn und dann das!

21. November

Herbert schöpfte Hoffnung. Zwar war immernoch kein Schnee gefallen, aber die Temperatur war über Nacht auf -10 Grad gefallen. Das musste doch einfach bedeuten, dass es bald soweit war! Es konnte nicht anders sein. Wer hätte schon jemals gehört, dass es so kalt war ohne Schnee? Ein geradezu lächerlicher Gedanke!

22. November, 5.19 Uhr

Krachend landete die Schneeschaufel in der Ecke. Kein Schnee! Vielleicht nie mehr. Wütend stapfte Kratzke auf und ab. Seine Gedanken rasten und sein Gehirn kochte. So nicht! Nicht mit ihm! Er knirschte mit den Zähnen (nur vorsichtig, da es nicht seine echten waren) und ballte die Fäuste in der Tasche seiner Haushose aus Ballonseide. Plötzlich blieb er stehen und lächelte. Es war sein Fehler gewesen! Alles war aus einmal kristallklar! Er musste beweisen, dass er bereit war.

22. November, 22.30

Kratzke schlüpfte in seine Winterstiefel, schloss seine Jacke und zog die Mütze über die Ohren. Er griff nach dem Stiel der Schaufel ehe er die Wohnung verließ und sich vor der Haustür auf die Treppe stellte. Er war bereit! Heute Nacht würde der Schnee kommen, kein Zweifel!

23. November, 7.05 Uhr

„Armer Teufel.“ Der Sanitäter hustete und spuckte aus. „Irgendeine Idee, was er nachts bei der Kälte hier zu suchen hatte?“. Der Arzt zuckte mit den Schultern. „Keine. Ausgesperrt hat er sich nicht. Der Schlüssel ist in seiner Tasche gewesen. Vielleicht war er verwirrt. Ich meine, wer stellt sich bei so einem Wetter einfach nachts auf die Straße? Ist aber nicht mein Job, den Grund herauszufinden. Ich kann nur sagen, dass er vor Stunden erfroren ist.“ Er bemühte sich, den Griff der Schneeschaufel aus der Hand des Toten zu winden, vergeblich. „Der lässt nicht locker“. „Beeil Dich lieber, Doc. Es fängt auch noch an zu schneien.“ Der Sanitäter hatte den Kopf zurückgelegt und blinzelte, als die ersten Flocken sein Gesicht trafen.

„Na und?“. Der Arzt zuckte mit den Schultern. „Wen interessiert‘s?“.

Amor loco

„Oh, Ramon. Ich liebe Dich. Warum können wir nicht zusammen sein?“.

Grob, verzweifelt stieß er sie zurück und wandte den funkelnden Blick ab. Er vermochte nicht, ihr in die Augen zu sehen. Er wusste, er würde sich in Ihnen unrettbar verlieren.

„Nein, Consuela. Dein Padre ist ein mächtiger und reicher Mann. Jeder achtet Don Aldoduck. Und ich – ich bin nur ein einsamer Mariachi mit einer Gitarre. Und außerdem“, er schluckte, „außerdem bin ich zuviel Mann für nur eine Frau.“ Nur zögerlich war die Lüge über seine Lippen gekommen.

„Nein, Ramon. Du liebst mich. Ich fühle es. Mein Coracon sagt es mir. Ich sehe es in der Glut Deinet Augen.“

Wild schüttelte sie das Haar, eine Mähne so schwarz wie die Federn junger Raben. „Du gehst nirgendwohin.“

„Du verstehst nicht, mi amor. Dein Vater ist ein stolzer Mann. Er würde uns beide töten. Ich ertrage den Gedanken um Deinetwillen nicht. Ich muss gehen.“

„Sei kein Feigling, Ramon. Es ist besser in Liebe zu sterben als in Einsamkeit zu leben.“

Als er sich abwenden wollte, griff sie nach ihrer Bluse und riss sie mit einem Ruck herunter. Er war nicht fähig, seinen Blick abzuwenden. Consuelea erbebte unter dem Feuer seiner Blicke auf ihre sich atemlos hebenden und senkenden vollen Brüste, deren Nippel sich ob ihrer ungekannten Schamlosigkeit aufrichteten. „Nimm mich, Ramon. Nimm mich ein letztes Mal.“ Beschämt ob ihrer Hemmungslosigkeit schlug sie den Blick nieder. „Du Närrin. Du wunderschöne und verrückte Närrin“, flüsterte er heiser als er auf sie zuging. Grob packte er sie und drückte sie an die Wand der Hacienda. Er presste atemlos seinen Mund auf den ihren und ihre glühend heißen Zungen fanden sich zu einem wilden Tanz. Seine Hand glitt unter ihren Rock und mit fahrigen Bewegungen schob er ihr feuchtes Höschen zur Seite. Ihre Feuchtigkeit empfing ihn bereit wie niemals zuvor. Seine Männlichkeit drohte seine Hose zu sprengen, also öffnete er sie in einer einzigen Bewegung, ehe er die Frau hochhob, gegen die Wand drückte und hart in sie eindrang.

To be continued (maybe)

Weinprobe

Von Lord Extra

Nachdem ich letztens Dank dem Tip einer mir bekannten Pferdezücherin, Burgherrin und Weinkennerin aus dem Libanon, die den Begriff „sparsam“ nicht kennt und eine Gourmet von Weltruf ist, den hervorragenden Château Musar 2005 verkostet habe, zog ich es diesmal vor die heimischen Rebstöcke zu erkunden.

Ein weißer sollte es diesmal sein, und schon nach kurzer Suche wurde ich fündig. Da wohl viele unter uns diesen Wein bereits gut kennen, habe ich beschlossen diesen Wein in Form eines Quiz zu beschreiben:

Der gesuchte Wein besticht durch seine helle, leicht bernsteinartige Färbung, die sofort dem Auge schmeichelt. Die ideale Trinktemperatur liegt bei 9 Grad Celsius, aber ein Wein dieser Güteklasse verzeiht auch geringe Abweichungen. Auf eine Dekantierung kann laut dem Produzenten verzichtet werden, ich empfehle jedoch ihn eine kleine „Atempause“ zuzugestehen.

Der erste Schluck bietet dem Kenner und Cosmopoliten eine Geschmacksgustation, die ich so noch nicht kannte. Obgleich ein junger Wein besticht er durch ein volles Bouquet, einen reifen und vollmundigen Korpus. Der Primärgeschmack beeinhaltet Sandelholz, einen Hauch von Zimt und Vanille und eine Ahnung von Teakholz. Beim Verweilen im Mund verstärkt sich das fruchtige Aroma und spielt mit Andeutungen von Walderdbeeren und Himbeere. Der Abgang erweist sich als einziger Wermutstropfen, hier macht sich eine leichte aber zu starke Restsüße bemerkbar.

Nichts desto trotz weiß bestimmt jeder meiner geneigten Leser bereits von welchem Tropfen ich hier spreche.

Ein Wein, der durch seine Gefälligkeit auch gerne Gästen kredenzt wird:

Und mit einen im Mittelfeld angesiedelten Preis von nur 270 € für 2,5 Liter (mein Butler hat mir dieses Schnäppchen besorgt) kann man auch wirklich nicht viel falsch machen. Die originelle Flaschenform erfreut auch das Auge!

Lieferant ist Château Réwé, beheimatet am Kaiserstuhl und überall.

Dieser Wein ist ein echter Tip für Festivitäten – ich war so ausgelassen, dass mir der Lacoste-Pulli von den Schultern rutschte, ich einen Golfball in die Luft warf (mehrfach!!!) und meine Kinder mich vorübergehend duzen durften.

Natürlich schäme ich mich heute für diese hemmungslosen, triebbestimmten und zügellosen Exzesse, aber das war dieser Wein allemal wert. Vorher war mir nicht bewusst, was für ein Tier in mir schlummert.

Ettlingen, Diamant im Südwesten

Ettlingen, die Perle, die nicht die Perle am Bosporus ist. Metropole, Megacity und Magnet für Millionen von Touristen jedes Jahr. Attraktion von Weltruf – und trotzdem Heimat einiger verblüffender und weitgehend unbekannter Fakten. Ein paar dieser verblüffenden Tatsachen habe ich gesammelt, um sie heute in kompakter Form zu präsentieren.

Das frühe Ettlingen

Erste Aufzeichnungen über Ettlingen datieren aus dem Jahr 70 nach Christus.Dies war das Zeitalter des Kaisers Vespasian und das Jahr, in dem Johannes Heesters seine erste Ehefrau heiratete. Tatsächlich sind aber die Römer Urheber und Erbauer der Stadt, die am Knotenpunkt zweier befestigter Römerstrassen lag. Um die verkehrsrelevante und ökonomische Bedeutung zu unterstützen, würde Ettlingen zur ersten Stadt in Germania, die von Rom mit öffentlichem WLAN ausgestattet wurde.

(Zeitgenössische Aufnahme, koloriert)

Erstmals findet sich Ettlingen in Aufzeichnungen des Klosters Weißenburg im Jahr 788 unter der Bezeichnung „Ediningom“, in dem die Stadt im Schreiben eines Ordensbruders an einen anderen erwähnt wird.

Offensichtlich war Ettlingen schon damals ein lebenswerter Ort.

Angelockt von den begeisterten Berichten der Ordensbrüder verlieh Otto der Große der Stadt im Jahr 922 das Marktrecht, das seitdem von der Gemeinde weidlich genutzt wird.

Nach mittelalterlichen Indianerangriffen, die Ettlingen zeitweise in große Not brachten, beschlossen die Stadtväter unter der Leitung von Erik Honneckar die Errichtung der historischen Stadtmauer im Jahr 1224.

Hier wurden die ruchlosen Irokesen zwei Jahre später vernichtend geschlagen und ihres Schuhwerks beraubt. Zum Andenken wurde die berühmte Ehrentafel errichtet:

Wahrzeichen

Jeder Ettlinger kennt die Wilhelmshöhe, die genannte Stadtmauer und den Lauerturm

Das Schloss

Aber es gibt auch andere, zu Unrecht weniger bekannte Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel….

Das Ettlinger Grabtuch

Die Schiller-Linde